Hallo Herr Dr. Randhahn! Zukunftswort Barrierefreiheit

Datum: 15.11.2009  |  Alle Einträge zum Thema

Herr Dr. Randhahn, Sie sind auf den Rollstuhl angewiesen. Welche Bedeutung...

... hat Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit ist der Schlüssel zur Generationengerechtigkeit von Lebensräumen. Alle Menschen jeden Alters möchten möglichst lange und weitgehend frei, d. h. frei von ihnen von außen aufgezwungenen Hindernissen in einer von ihnen gewählten Umgebung leben. Sie wollen ihre Heimat, Familie, Freunde und Bekannte nicht nur deshalb verlassen müssen, weil sie behindert oder chronisch krank sind oder auch bloß älter werden und bestimmte Körperfunktionen nachlassen.

Barrierefreiheit bedeutet die Möglichkeit zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Wir Menschen sind soziale Wesen. Also, wenn man so will, ist Barrierefreiheit ein Menschenrecht.

Barrierefreiheit ist nicht nur etwas für Behinderte. Denn barrierefreie Lebensräume nutzen nicht nur behinderten Menschen, sondern auch Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit Kinderwagen, Großeltern oder behinderten Angehörigen und Freunden. Sie nutzen letztlich allen Generationen und damit der gesamten Gesellschaft.

Behinderte Kinder und Jugendliche sind dringend darauf angewiesen, genauso wie ihre Altersgenossen in die Gesellschaft hineinwachsen zu können. Ansonsten werden sie immer als unbekannte Wesen, als "nicht normal", als besonders und letztlich als Außenseiter angesehen und behandelt werden.

In der Zukunft werden immer mehr Menschen älter als sechzig Jahre sein. Die Anzahl von Seniorinnen und Senioren und mithin der Anteil an Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen wird rasant zunehmen.

Zugleich gibt es immer mehr Singlehaushalte, also Menschen, die nicht im natürlichen Gefüge einer Familie aufgefangen und deren Beeinträchtigungen nicht durch Angehörige ausgeglichen werden können.

Der Fremdeinkauf von Sozialleistungen sowie seine Finanzierung stellen den Einzelnen wie die gesamte Gemeinschaft vor eine beinahe nicht zu bewältigende Herausforderung. Deshalb ist die Schaffung eines generationengerechten Lebensraums, der auch Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei integriert, eine zentrale Aufgabe einer solidarischen Zukunftsgesellschaft.

Welche Aspekte müssen unter die Lupe genommen werden, um   
barrierefreie Städte zu schaffen?

1. Gesundheit

Eine optimale Gesundheitsversorgung kann nur entstehen, wo Vertrauen besteht. Die auch tatsächlich freie Wahl von Ärzten und Therapeuten, Apotheken und Sanitätshandel ist dafür eine Voraussetzung. Je mehr barrierefreie gesundheitsrelevante Einrichtungen vor Ort vorhanden sind, desto eher können sie allen Menschen nutzen.

2. Wohnen

Um selbstständiges Wohnen auch für ältere und behinderte Menschen zu ermöglichen, ist barrierefreie Wohnbebauung anzuregen und zu fördern. Auch Formen selbstständigen Wohnens mit Hilfsangebot (Hausmeister, Empfangsdame, Krankenschwester etc.) sind ins Auge zu fassen.

3. Erziehung und Bildung

Einen wesentlichen Beitrag zur Integration behinderter Menschen leisten Kindergärten, Schulen und Jugendtreffs. Sie sind daher barrierefrei zu gestalten, um die Integration behinderter Kinder und Jugendlicher in die örtliche Gemeinschaft zu ermöglichen und zu fördern und ihnen weitgehend gleiche Zukunftschancen wie gleichaltrigen Nichtbehinderten zu eröffnen.

4. Marktteilnahme und Verkehr

Eine gleichberechtigte Marktteilnahme ist nur möglich, wenn eine freie Auswahl zwischen den vorhandenen Angeboten besteht. Diese setzt voraus, dass alle Angebote auch tatsächlich erreichbar sind.

Der Einsatz von Pflastersteinen ist, wo immer möglich, zu vermeiden, da die Fugen beim Überfahren Hindernisse für die kleinen (Lenk-)Räder der Rollatoren und Rollstühle darstellen. Bordsteine und Querungshilfen sind an Kreuzungen und Einmündungen sowie an Übergängen abzuflachen. An Bahnunterführungen und anderen Unter- bzw. Überquerungen sind Rampen in der Neigung an die Vorschriften der DIN für barrierefreies Bauen anzupassen. An ampelgeregelten Fußgängerüberwegen sind Blindenampeln aufzustellen, die Rot- und Grünphase akustisch signalisieren.

Generell sollte auf einen möglichst barrierefreien öffentlichen Personennah- und Fernverkehr hingewirkt werden. Dies betrifft insbesondere die Gestaltung der Haltestellen und Fahrzeuge. So sind Zuwegungen, Zustiege und Einstiege stufen- und weitgehend spaltenlos zu gestalten.

Für diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die selbst nicht so mobil sind, weil sie kein Auto fahren können und schlecht zu Fuß sind, sollten nach dem Vorbild der Londoner Stationlink-Busse preisgünstige Beförderungsmöglichkeiten innerhalb des Stadtgebietes geschaffen werden, die ausschließlich für alte und behinderte Menschen und ihre Begleitpersonen offen stehen. Das stärkt auch das Sicherheitsgefühl dieser Gruppe.

Für diejenigen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, sollte es einen kostengünstigen ehrenamtlichen oder gewerblichen Begleit- bzw. Bringdienst geben, damit sie nicht nur wegen dieses Defizits in ein Heim müssen. Von Apotheken und Getränkemärkten kennt man das schon. Das wäre sicher auch etwas für andere Anbietende von Waren und Dienstleistungen.

5. Kultur und Tourismus

Wesentlicher Bestandteil der Integration von behinderten und sonstigen Beeinträchtigungen ausgesetzten Menschen ist die Teilhabe an kulturellen und touristischen Angeboten. Auch hier ist Barrierefreiheit eine Grundbedingung. Das betrifft nicht nur Gaststätten, Vereinsheime,  Veranstaltungsstätten und Ausstellungsräume.

Hotels und Pensionen sollten behindertengerechte Zimmer und barrierefreie Bäder anbieten.

Als Fernziel sollten im gesamten Stadtgebiet in einer festzulegenden Entfernung von einander rollstuhlgerechte öffentliche WCs eingerichtet werden, die rund um die Uhr geöffnet und ausreichend ausgeschildert sind, aber nur Berechtigten Zugang gewähren (Euro-Schlüssel).

Hennef zeigt Mut und Zukunftsperspektive. Trotz konjunktureller Probleme wird in mehrere Projekte investiert: Busbahnhof, Schulmensa, Wissenschaftliches Zentrum, Mehrzweckhalle, Generationenrathaus. Nennen Sie fünf Punkte, deren Beachtung vor allem bei Neubauten für Sie Priorität haben bezüglich Barrierefreiheit.

  1. Türen (außen und innen) sind breit genug und lassen sich nach Möglichkeit automatisch öffnen und schließen.
  2. Einzelne Stufen werden mittels hinreichend flacher Rampen überbrückt und Treppen mittels Aufzug oder Treppenlift überwunden.
  3. Rollstuhlgerechte Toiletten können im Gebäude oder in zumutbarer Nähe besucht werden.
  4. Arbeits-, Spiel- und Speisetische sind unterfahrbar.
  5. Servicetheken sind so eingerichtet, dass Gespräche auf Augenhöhe auch für Rollstuhlfahrer möglich sind.

 

 

Die Fragen stellte Monika Grünewald.

Dr. Wulf Randhahn ist Jurist. Er arbeitet als Dezernent bei der Bezirksregierung Köln. Herr Randhahn ist Mitglied der CDU Hennef. Als Rollstuhlfahrer und Sehbehinderter ist er besonders dem Anliegen der Barrierefreiheit in Städten verbunden.

Dr. Wulf Randhahn ist Jurist. Er arbeitet als Dezernent bei der Bezirksregierung Köln. Herr Randhahn ist Mitglied der CDU Hennef. Als Rollstuhlfahrer und Sehbehinderter ist er besonders dem Anliegen der Barrierefreiheit in Städten verbunden.


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